Heilerziehungspfleger*in alles andere als langweilig

Krisensicher, abwechslungsreich und direkt am Menschen, wer zieht heutzutage schon so ein Fazit seines zukünftigen Berufs. Das wollten wir genauer wissen. Unsere Redakteurin Johanna Richter hat sich mit drei frischgebackenen Heilerziehungspfleger/innen des St. Paulus Stift Neuötting unterhalten.

Birgit Linder ist eine Quereinsteigerin wie aus dem Bilderbuch. Denn Erfahrung in der Arbeit mit behinderten Menschen hatte die gelernte Bürokauffrau bis dato nicht. Noch dazu hat sie ihre Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin (HEP) mit 47 begonnen und ist jetzt 50. Doch ob jemand die Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin machen kann, hängt nicht vom Alter ab, sondern davon, ob derjenige Eigenschaften mitbringt, die man im Umgang von Menschen mit Behinderung braucht, nämlich Empathie und Geduld, erzählt sie. Und genau diese Eigenschaften hat Birgit.

Wie sind Sie darauf gekommen ihren alten Beruf an den Nagel zu hängen und stattdessen mit und für Menschen mit Behinderung zu arbeiten?

„Ich hatte überhaupt keine Erfahrungen in diesem Bereich, hatte aber vom ersten Tag an einen guten Draht zu meinen Klienten. Die Arbeit hat mir einfach großen Spaß gemacht. Nachdem mich die Geschäftsbereichsleiterin fragte, warum ich nicht die Ausbildung zum HEP mache, entschloss ich mich, nach anfänglichen Bedenken bezüglich meines Alters, es zu probieren und bin über meine Entscheidung immer noch sehr glücklich.“

Birgit, was haben Sie denn in ihrer Ausbildung alles gelernt?

„In der Fachschule erlernte ich das theoretische Hintergrundwissen, das erlernte Wissen konnte ich in der Praxis direkt anwenden. In der Ausbildung lernte ich u.a. die Themenkomplexe Pädagogik, Medizin und Psychologie kennen.“

Neben Birgit ist auch Alexandra Mattscheck nicht gerade die „typische Azubine“. Sie ist 29 Jahre und bringt schon eine Menge Erfahrung aus ihren bisherigen zwei Ausbildungen als Kinderpflegerin und zur Medizinischen Fachangestellten mit. Zwei Jahre arbeitete sie bereits auf einer Wohngruppe des St. Paulus Stifts, bevor sie sich zu ihrer dritten Ausbildung entschloss.

Alexandra, was ist das wichtigste im Umgang miteinander, was würden Sie sagen?

„Menschen mit Beeinträchtigungen zeigen sich als wertvolle Mitmenschen, welche keinerlei Vorurteile besitzen. Sie handeln stets nach dem Motto: „Wie du mir, so ich dir“. Wenn man dem Menschen mit Respekt gegenübertritt, zeigen sie sich als freundliche und respektvolle Mitmenschen. Gegenseitiger Respekt ist der Schlüssel dazu gute Beziehungen aufzubauen.“

Gegenseitiger Respekt ist also sehr wichtig und welche Eigenschaften sollte man für den Beruf noch mitbringen, was meinen Sie?

„Meiner Meinung nach steht Empathie an erster Stelle. Doch auch die Fähigkeit sich zu reflektieren und sich auf neue Situationen einzulassen. Zudem sollte man eine gewisse Teamfähigkeit mitbringen, welche das Arbeiten für einen selbst erleichtert. Man sollte sich der Werte und Normen innerhalb der Gesellschaft bewusst sein und den Menschen mit Beeinträchtigung mit Respekt gegenübertreten.“

Wie sieht ihr typischer Tag aus?

„Es gibt in diesem Beruf keinen typischen Tag und das ist ja genau das Schöne an diesem Beruf.“

Auch Thorsten Latta, der dritte im Bunde, schätzt das Abwechslungsreiche in seinem Beruf. Er ist 40 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder.

Thorsten, Sie sind bald Heilerziehungspfleger. Darin ist ja das Wort „Pfleger“ enthalten. Wie pflegen Sie denn die Menschen genau?

„HEP ist weit mehr als nur der „Pfleger“. Ich bin in erster Linie Bezugsperson oder Partner für Menschen mit Behinderung und unterstützte sie als dialogischer Partner. Dabei geht es darum, Bedürfnisse und Fähigkeiten des Menschen mit Behinderung zu erkennen und Möglichkeiten zu schaffen, damit sich dieser mit all seinen Fähigkeiten entfalten kann. In meiner Arbeit als HEP möchte ich Berührungsängste abbauen, damit Menschen mit und ohne Behinderung in unserer Gesellschaft in Zukunft ganz selbstverständlich miteinander leben (Inklusion).“

Sie haben mal das Studium des Maschinenbaus und auch der Theologie begonnen. Warum haben Sie jetzt ihren Traumberuf gefunden?

„Ich schätze die echte und direkte Rückmeldung auf meine Arbeit durch unsere Bewohner*innen, was nicht passt wird sofort und direkt durch sie angesprochen. Außerdem macht mir das Arbeiten im Team sehr viel Spaß. Ich habe auch immer genügend Freiraum meine eigenen Ideen mit den Bewohner*innen ganz unkompliziert umzusetzen. Was wirklich toll ist, sind die niedrigen Hierarchien bei uns im St. Paulus Stift und das stets offene Ohr der Leitungsebenen bei persönlichen Anliegen. Es sind sowohl unter den Mitarbeitenden, also auch unter den Bewohnern Begegnungen auf Augenhöhe und mit größtem Respekt und das schätze ich sehr.“

Vielen Dank an euch Drei, dass ihr uns einen kleinen Einblick in den Beruf des Heilerziehungspflegers/der Heilerziehungspflegerin gegeben habt. Das neue Ausbildungsjahr beginnt im September. Neben guten Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten bietet der Beruf auch Quereinsteiger*innen gute Einstiegschancen. Auf eine fachliche und soziale Begleitung der Schülerinnen und Schüler wird im St. Paulus Stift großen Wert gelegt. Infos und weitere Kontaktmöglichkeiten für eine Ausbildung per Mail an bewerbung@jfb-stiftung.de oder direkt beim St. Paulus Stift Neuötting nachfragen.

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