{"id":2231,"date":"2021-08-25T10:04:20","date_gmt":"2021-08-25T09:04:20","guid":{"rendered":"https:\/\/jfb-stiftung.de\/st-paulus-stift-herxheim\/125-jahre-paulus-stift-herxheim\/"},"modified":"2025-03-04T10:21:19","modified_gmt":"2025-03-04T09:21:19","slug":"125-jahre-paulus-stift-herxheim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jfb-stiftung.de\/st-paulus-stift-herxheim\/125-jahre-paulus-stift-herxheim\/","title":{"rendered":"125 Jahre Paulus Stift Herxheim"},"content":{"rendered":"<p>Es begann mit einer Vision: Jacob Friedrich Bussereau (1863 \u2013 1919) selbst unter schwierigen Bedingungen aufgewachsen, wollte in Herxheim eine \u201eAnstalt f\u00fcr unheilbar Kranke\u201c aufbauen. Aber kein blo\u00dfes Wegsperren, keine Verwahrung wie es damals Gang und G\u00e4be war und das Wort \u201eAnstalt\u201c f\u00fcr unsere heutigen Begriffe vielleicht impliziert, sondern es ging ihm umso viel mehr als um das rein k\u00f6rperliche Versorgen. Er wollte f\u00fcr diese Menschen eine Heimat entstehen lassen, wo sie in W\u00fcrde leben konnten, eine famili\u00e4re Gemeinschaft schaffen, in denen sie akzeptiert und respektiert wurden und wo es ihnen m\u00f6glich war ihre individuellen Begabungen zu entfalten. Heute klingt das normal, doch vor 125 Jahren klang diese Idee v\u00f6llig neu, fast revolution\u00e4r. Eine Idee, bei der der aus Hambach bei Neustadt\/Weinstra\u00dfe stammende Priester auch gegen viele Hindernisse und Widerst\u00e4nde ank\u00e4mpfen musste. Doch mit starkem Willen und Durchsetzungskraft schaffte er es seine Vision einer Einrichtung f\u00fcr \u201edie \u00c4rmsten und Leidendsten\u201c der Gesellschaft zu verwirklichen: das St. Paulus Stift in Herxheim. Im April 1896 gr\u00fcndete er das Stift und arbeitete unbeirrt und unerm\u00fcdlich weiter daran, die Stellung und das Wahrnehmen von behinderten Menschen in der Gesellschaft zu \u00e4ndern. Seine Kraft und Motivation sch\u00f6pfte er aus dem christlichen Glauben. F\u00fcr Bussereau war \u201eN\u00e4chstenliebe\u201c, untrennbar mit \u201eGottesliebe\u201c verbunden. \u201eOmnibus omnia\u201c \u2013 \u201eAllen alles werden\u201c (1 Kor 9,22) war sein Leitmotiv. Dieses Leitmotiv wurde und wird in allen Wohn- und Unterst\u00fctzungsangeboten der Jacob Friedrich Bussreau Stiftung seither gelebt und bildet noch heute einen der Grundpfeiler in der Arbeit f\u00fcr und mit Menschen, die bis heute im St. Paulus Stift ihr Zuhause gefunden haben- angelehnt an das christliche Menschenbild, in dem alle, ungeachtet ihrer k\u00f6rperlichen und geistigen Unterschiede und F\u00e4higkeiten, vollen und gleichen Wert erfahren.<\/p>\n<p>Doch wie so oft in der Geschichte eines erfolgreichen Mannes, hier Pr\u00e4lat Bussereau, w\u00e4re die Geschichte nur halb erz\u00e4hlt, wenn nicht zwei starke Frauen ihn unerm\u00fcdlich unterst\u00fctzt h\u00e4tten, und f\u00fcr die Gr\u00fcndung und an den Aufbau des St.Paulus Stifts ma\u00dfgeblichen Einfluss hatten. Die Rede ist von Anna Maria Dudenh\u00f6ffer, der ersten Vorsteherin der Kongregation vom Hl. Paulus und Theresia Ohmer, die als Sr. M. Franziska zur ersten Generaloberin des Ordens gew\u00e4hlt wurde. Mit ihrem unersch\u00fctterlichen Idealismus trotzten sie allen Anfangsschwierigkeiten und stellten ihr Leben, gest\u00fctzt durch ihren christlichen Glauben v\u00f6llig in den Dienst des N\u00e4chsten. Damit trugen diese beiden Frauen mit den ersten 13 Ordensschwestern erheblich dazu bei, dass Bussereaus Pl\u00e4ne Wirklichkeit wurden. Um wirtschaftlich arbeiten zu k\u00f6nnen, krempelten alle Schwestern, der Priester und die aufgenommenen Bewohner die \u00c4rmel hoch und bewirtschafteten die umgrenzenden Wiesen, \u00c4cker und G\u00e4rten. Damit war es ihnen m\u00f6glich eine Selbstversorgung des Paulus Stift herbeif\u00fchren und gleichzeitig den Menschen mit besonderen Unterst\u00fctzungsbedarfen eine sinnvolle Besch\u00e4ftigung zu geben. Sein innovatives wirtschaftliches und auch weitsichtiges Verst\u00e4ndnis wurde auch in der Mitarbeiterf\u00fchrung sichtbar. Er erkannte, dass die gleichen Prinzipien, die er im Umgang mit den hilfsbed\u00fcrftigen Menschen zugrunde legte, auch unter seinen Mitarbeitenden gelebt werden sollten. Ihm wurde klar, dass man auf Dauer W\u00fcrde, Aufmerksamkeit, Achtung und Solidarit\u00e4t nur dann weitergeben kann, wenn man sie auch selbst in der Dienstgemeinschaft lebt und erf\u00e4hrt. Bussereau als \u201eUnternehmer\u201c erkannte, dass seine Mitarbeitenden die Grundlage seines Tuns bildeten und nur eine vertrauensvolle und auf Respekt fu\u00dfende Mitarbeiter-Kultur auch zu Zufriedenheit f\u00fchrt.<\/p>\n<p>125 Jahre sind vergangen und geblieben ist von Bussereau so einiges: \u201eWir passen uns den Bed\u00fcrfnissen und Bedarfen der Menschen an, die wir begleiten, nicht umgekehrt\u201c, erkl\u00e4rt die Gesch\u00e4ftsbereichsleiterin des St. Paulus Stift Herxheim Natascha Lettner. Die Menschen sollen hier ein lebensfrohes Zuhause finden, es soll ihnen gut gehen und sie sollen sich angenommen und wertgesch\u00e4tzt f\u00fchlen. Das geht nur, wenn die individuellen Bed\u00fcrfnisse jedes Menschen wahrgenommen und geachtet werden, notwendige Hilfe angeboten wird und der respektvolle Umgang auf Augenh\u00f6he erfolgt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begleiten die Menschen auf ihrem Lebensweg und stehen ihnen als Partner in allen Lebensfragen zur Seite. Wir wollen, dass die Menschen ein, soweit als m\u00f6glich, selbstbestimmtes Leben f\u00fchren k\u00f6nnen und sie sich als Teil der Gemeinschaft erleben. Heute leben im St. Paulus Stift in Herxheim 178 Erwachsene mit sogenannter geistiger Behinderung, davon 20 in unserem Haus R\u00fclzheim und 20 in unserem Haus Edenkoben. In der Tagesf\u00f6rderst\u00e4tte oder in der Seniorenbetreuung sind die Angebote so vielf\u00e4ltig wie die Menschen, denn im Mittelpunkt steht der Mensch.<\/p>\n<p>Stiftungsvorst\u00e4ndin Bettina Rieger erg\u00e4nzt, dass es nicht die Worte sind, die uns auszeichnen, sondern unsere Taten. Ohne das hohe Engagement aller Haupt- und Ehrenamtlichen w\u00e4re das alles nicht m\u00f6glich, und so ist mein DANKE an alle, die t\u00e4glich das ihre dazu beitragen, nur ein kleines Wort, aber mit gro\u00dfer Bedeutung. Unsere Dienstgemeinschaft tr\u00e4gt uns immer wieder- besonders in schweren Zeiten, das erleben wir aktuell gerade auch in der Pandemiekrise.<\/p>\n<p>Nach \u00fcber hundert Jahren in denen sich die Schwestern um die Menschen im St. Paulus Stift und weiteren Einrichtungen k\u00fcmmerten, wurde im Jahr 2002 die Jacob Friedrich Bussereau Stiftung gegr\u00fcndet und alle Einrichtungen in Rheinland-Pfalz und Bayern in die Tr\u00e4gerschaft der Stiftung \u00fcberf\u00fchrt. Neben den vier Standorten in Rheinland-Pfalz (Herxheim, R\u00fclzheim, Edenkoben und Gommersheim) geh\u00f6ren zur Jacob Friedrich Bussereau Stiftung auch vier Standorte in Bayern (Neu\u00f6tting, Alt\u00f6tting, Burghausen und Winh\u00f6ring).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es begann mit einer Vision: Jacob Friedrich Bussereau (1863 \u2013 1919) selbst unter schwierigen Bedingungen aufgewachsen, wollte in Herxheim eine \u201eAnstalt f\u00fcr unheilbar Kranke\u201c aufbauen. 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